Zeit und Kinder haben ein komisches Verhältnis. Kleine Kinder haben zunächst tendenziell erstmal gar kein Verhältnis zu Zeit. Was durchaus nervig sein kann – wer kennt nicht das ‘spazieren stehen’, wie ich es einmal so treffend las. Jede Blume, jeder Stein werden, versunken im Augenblick, betrachtet.

Während viele Blogs und überhaupt Leute darauf hinweisen, dass wir da von ihnen lernen können, verlieren Kleinkinder diese Fähigkeit nicht ganz ohne Grund. Wer nur im Moment lebt, lebt gefährlich. Die Antizipation von Folgen ist eine der wesentlichen Errungenschaften des Menschen und absolut essentiell für das Denken. Lernen ist nichts anderes als das – die Abstraktion von Erfahrungen in Antizipation.

Klingt langweilig? Stell dir vor, du würdest in einem Zeitverhältnis leben wie dein Kind. Dann wärt ihr vermutlich ziemlich schnell tot. Du würdest nicht einkaufen gehen, weil du gerade müde bist und nicht auf die Autos auf der Straße achten, weil du versunken in dein Ballspiel bist (nebenbei arbeitet die Unfähigkeit zum Multitasking bei Kindern da mit).

Insofern: Nö. Wir dürfen lernen zu genießen, aber nicht die Zeit zu vergessen.

Gleichzeitig verhält es sich seltsam mit dem elterlichen Zeitempfinden: ‘The days are long but the years are short’ las ich vor langer Zeit über das Elternsein und es begleitet mich seitdem.

Unendlich viele Eltern leiden unter den vielen, kräftezehrenden Aufgaben, die es im Alltag mit Kleinkind in einer familienfeindlichen Umgebung so gibt. Diese und die gleichzeitig nervtötend langsamen und reizarmen Umgebungen mit hohem Stressinput von außen kreieren eine seltsame Gleichzeitigkeit.

Gleichzeitig mit endlos langweiligen Rollenspielen türmen sich Haushalt und Erwartungen an Karriere und Elternschaft auf ein oder zwei Menschen. Gleichzeitig mit langem Einschlafstillen wartet der Turm Wäsche und die Uhr zeigt an, dass du bald schlafen gehen musst, um am nächsten Tag fit zu sein.

Und dann ist da die Fähigkeit des Kindes, das zu ignorieren. Das erscheint irgendwie in einer wahnsinnigen Spannung. Oder?

Ich glaube dass diese Spannung damit zu tun hat, dass Kinder etwas können was wir Erwachsenen verlernt haben: Priorisieren. Die wirklich wichtigen Dinge im Leben sind außerzeitlich: Spielen, Lernen, Beziehung. Alle sind nur im Moment erfahrbar und nur erfüllend wenn wir sie eben nicht planen – sie neigen sogar dazu sich uns zu entziehen wenn wir versuchen sie zu planen.

Verstehen wir unsere Erwachsenen-Fähigkeit, Zeit zu begreifen, mehr als Leitplanke: Wir können den Rahmen und die Sicherheit geben für das, was zählt – und wofür Zeit keine Rolle spielen sollte um es ganz erfahren zu können…

 

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