Meine Therapeutin ist ziemlich geduldig mit mir, aber an dem Tag hat sie keinen Bock mehr. “Können wir aufhören damit?” sagt sie. Ich stocke. Ich war gerade dabei ihr zu erklären, warum ich traurig darüber war, dass mein Kind nicht zu einer Feier gehen wollte.

“Du bist nicht hier”, sagt sie. Ich starre sie auf meinem Bildschirm an. “okay” sage ich, “und wie zur HÖLLE komme ich an?!”

Alles besser machen wollen

Ich bin vor fast 17 Jahren reingestartet in diese Elternschaft mit dem Willen, es anders zu machen – genau wie die Menschen, die das hier lesen.

Weniger meckern, liebevoller. Verstehen. Lesen. Hören.

Damals waren noch ganz andere Bücher auf dem Markt als meines. Tyrannenkinder, wie sie schlafen lernen – ach, all dieser Wahnsinn brutaler Abwertung kleiner Kinder. Also ging ich auf die Suche, und als ich nicht fand, was ich suchte, machte ich es selbst: Der Kompass.

Was ich in den vielen Stunden Recherche machen wollte, war, es besser. Ich wollte verstehen. Erarbeiten. Begreifen. Und das ist wichtig. Die Art, wie wir Kinder sehen, ist tief geprägt von unserer faschistischen Vergangenheit. Erziehung ist nicht effektiv um Ziele zu erreichen. All diese Dinge sind wichtig zu verstehen, zu verarbeiten und dann zu begreifen – fuck, das beeinflusst wie ich reagiere wenn mein Kind auf dem Spielplatz ein anderes haut.

Ja. Wir müssen über Kinder nachdenken als soziales Phänomen. Wir müssen sie verstehen, ihre Entwicklung und was gute Begleitung ausmacht. Dazu gibt es wissenschaftliche Antworten.

Du ahnst es schon: …Aber.

Umsetzen von bedürfnisorientierter Elternschaft

Okay. Wir wissen alles, alles klar, Kopf voll.

Und dann kommt der Alltag und das Sitzen auf dem kalten Boden im Supermarkt mit einem schreienden Kind. Das Begleiten der Hausaufgaben. Wenn dein Kind wütend wird.

Und jap. Da bauen wir dann plötzlich Scheisse. Obwohl wir es wissen, und warum KLAPPT DAS NICHT?

Im schlimmsten Fall beschämen wir uns (was nachweislich schädlich ist), machen uns klein und machen vor allem unsere Kinder klein, kleiner als sie sind, machen sie auf ihre Machtlosigkeit aufmerksam.

Dabei wollen wir das doch nicht.

Ich bin keine Neurobiologin, aber ich weiss, dass unser Gehirn nicht spricht wie unser Körper spricht. Sie verstehen sich nicht. Der Teil der das hier liest, ist nicht der Gleiche, wie der, der dann neben dem weinenden Kind steht, mit brennenden Augen und angespannten Muskeln.

Du lernst, aber du lernst wie alles andere nicht linear. Bedürfnisorientiere Elternschaft ist vor allem das Begleiten von dem Teil, dem dein Wissen scheissegal ist und der nur dein Kind schimpfen will. Dieser Teil ist in deinem Körper. Und nein, du kannst ihn nicht loswerden.

Was hilft?

Anerkennen, dass er da ist. Ist mir egal dass du den scheisse findest, du hast keine Wahl.

Dir eine somatische Brücke bauen und etwas TUN, was dir KÖRPERLICH hilft. Mir ist egal, was du dabei denkst. Du brauchst körperliche Hilfe. Willst du friedvolle Elternschaft oder nicht?! Weil wenn ja, dann musst du ggf albern rumtanzen, -schreien oder was anderes machen (hier ist dazu mehr Hilfe).

Friedvolle Eltern fühlen, anstatt Methoden anzuwenden

Und hier wird es unpopulär. Weil wir sollen doch so sehr denken und machen und Methoden kaufen. Aber es braucht eben Pause und Zeit und dass du aushältst dass du nicht nur ein logisches Wesen bist.

Das hilft. Das erlebe ich in den Weggefährt*innen jeden Tag. Es hilft aber es ist eben nicht produktiv, es kommt kein Ergebnis dabei raus, im Gegenteil, du wendest dich dem Schmerz zu, anstatt erzieherische Pflaster drüber zu kleben.

Das tut weh. Ich werde dir da nichts vormachen. Und es hilft. Es befreit, es macht so irrsinnig glücklich, zu wissen, dass du mit deiner Angst umgehen kannst. Deiner Erschöpfung und Aggression. Denn dann dürfen die sein und du bist trotzdem ein guter Elternteil. Oder – genau deswegen.

Mehr bei den Weggefährt*innen, unserem Mitgliederbereich.