Was macht eigentlich gute Eltern aus? 10 Jahre Erfahrung und Wissen zum Thema gesammelt – ich sag es dir:
Gute Eltern sind nicht konsequent
Konsequenz ist angeblich sau wichtig im Umgang mit Kindern. Kinder sollten ja Führung haben und keine Ahnung, brauchen Grenzen, blabla. Das wird so häufig gesagt, wie nicht begründet – WARUM das angeblich so wichtig ist, ist unklar. Manchmal heißt es, dass sei sicherer für Kinder. Klar, ist Stacheldraht auch, macht es nicht angemessen als Gartenzaun.
Aber es gibt gute Gründe, NICHT konsequent zu sein. Zum einen ist es sinnvoll, sich beeinflussen zu lassen vom Kind und dessen Argumente zu hören – das stärkt das Selbstbewusstsein und die Beziehung, schließlich ist es schön, gehört zu werden und die Möglichkeit zu haben, die Meinung anderer zu ändern.
Und dann übersieht die Idee von Konsequenz eben auch, dass es ein Machtgefälle gibt zwischen Eltern und Kindern, das wir nicht im Namen des Durchsetzens, weil das angeblich Sicherheit gibt, missbrauchen sollten. Weil DAS gibt mir Sicherheit als Kind. Nicht falsches Durchziehen.
Gute Eltern interessieren sich für Bedürfnisse
Kinder können weirdes Verhalten zeigen, true. Manchmal werfen sie sich wegen scheinbarer Kleinigkeiten auf den Boden, oder sie diskutieren stundenlang oder beißen ihre Geschwister… Die Liste ist lang.
Elternschaft, die friedvoll und gerecht sein möchte, hält sich allerdings nicht lang mit diesem Verhalten auf, sondern fragt vielmehr: Was könnte der Grund sein?
Und klar, das ist nicht immer einfach zu beantworten, aber die Frage zählt. Die Neugierde zählt. Das macht mich fröhlicher und interessierter am Leben und damit lösungsorientierter in Beziehungen. Wenn ich nicht frage, was das blöde Verhalten soll, sondern, warum es wohl da ist, habe ich neue Gelegenheiten, Lösungen zu finden!
Gute Eltern sind weird
“Ich steh einfach um 5 Uhr auf und putze!” strahlte mich 2018 eine Mutter an, die mir nach einem Seminar erzählen wollte, wie sie ihr Problem mit dem Kind löste. Sie liebte Ordnung und Sauberkeit. Das Kind war… Naja, es war 3. Das war schwierig.
Also putzte sie um 5 Uhr morgens. Was ihr Energie für den Tag gab. Und ihre Lieblingsmusik lief auch.
Zwei andere Eltern, die das hörten, waren entsetzt. Putzen als Selbstfürsorge kam ihnen völlig verrückt vor.
Deswegen, meine lieben Leute, ist es so wichtig, dass wir Elternschaft als individuelles Erlebnis von Menschen sehen und nicht als eine Methode oder etwas, was wir als Tipps und Tricks ansehen können.
Eltern sind Leute. Und wenn du einem Kind auf Augenhöhe begegnen möchtest, musst du auch etwas zeigen! Und zwar DEINE Eigenheiten, Wünsche, Werte und Gedanken. Und das macht dich weird und einzigartig und das Gute ist, du musst gar nicht perfekt sein für gute Beziehung.
Nur du selbst.
Putze um 5 Uhr, tanze, vermeide Kindergeburtstage oder albere auf dem Kinderspielplatz rum. Sei du selbst, anders kannst du niemandem begegnen. Auch deinem Kind nicht.
Gute Eltern halten Widersprüche aus
Das meine ich in zweierlei Hinsicht: In Bezug auf Kinder und in Bezug auf dich.
In Bezug auf Kinder ist es eigentlich einfach – Kinder, die wir bedürfnisorientiert behandeln, dürfen widersprechen. Das muss ihr Recht sein. Wer kein Objekt ist, muss eine Stimme haben. Wer vorkommt in einer Beziehung, weiß das vor allem, wenn er oder sie herausfordert, was die andere Person denkt.
Und in Bezug auf uns? Uff. Wir Eltern haben oft große Widersprüche in uns. Wir wollen Freiheit für unser Kind, aber auch Schutz. Wir wollen abends in Ruhe einen Tee trinken, aber auch, dass das Kind sich wohl fühlt beim Einschlafen und begleitet wird.
Und das ist in Ordnung. Ohne in die Tiefen runterzuwandern: Psychologisch gesehen ist der UMGANG mit diesen Widersprüchen wichtiger, als dass es keine gibt. Dass du BEIDES halten kannst und dass es okay ist. Das ist das Ziel.
Es ist so vieles mehr, aber das lassen wir für heute mal so stehen. Was hab ich vergessen? Schreib es mir in die Kommentare.





Hallo Ruth, danke für deine vielen Gedanken zum Familien-Zusammenleben.
Wo ich gerade stehe, ist ziemliches Chaos. Ich habe nie gelernt, meine negativen Emotionen in irgendeiner Weise auszudrücken bzw. zu verarbeiten (durch Ablenkung/Unterdrückung mit Essen und Youtube-Videos anschauen), und jetzt stehe ich vor 2 Kindern (6 und fast 4 Jahre alt) und komme permanent an Grenzen… die spiegeln mir so viel Scheiß, den ich an mir selbst nicht mag und machen so viel Scheiß, den ich scheiße finde und was soll die ganze Scheiße? Meistens mache ich dann auch noch Scheiße… es ist also insgesamt ziemlich beschissen.
Wir haben uns bewusst gegen den Kindergarten entschieden, finanziell kein Problem und mit einem großen Garten wunderbar. Im außen läuft es hier wirklich großartig. Ich kann mich nicht beklagen, und dennoch tue ich es, jeden verdammten Tag. Es beginnt beim Aufstehen, sofort Stress, nach 5 Minuten schreit meine 6 Jährige ihren Bruder an und sagt ihm, sie will nicht mehr seine Schwester sein. Der Junge fängt an zu weinen, braucht Mama, wir lesen (ist bereits unser Ritual geworden, wenn eins der Kinder weint, wird gekuschelt und gelesen). Ich schimpfe (meistens) nicht mit der Großen, sondern kümmere mich um den Jungen… aber Aufklärung oder irgendwas gibt es nicht… mit dem Jungen lese ich dann, kuschele, fertig. Bis er sich wieder beruhigt hat (bis zum nächsten Drama). An manchen Tagen ist das völlig in Ordnung für mich, ich habe Kraft für meine Kinder da zu sein und sie durch den Tag zu begleiten… durch die schlechten und guten Phasen.
Und dann gibt es diese Tage, an denen überhaupt nichts mehr geht. Da treibt mich jede kleinste Unstimmigkeit in Rage. Ich habe meine Kinder schon ziemlich oft angeschrien (ja, böse Mama…), und habe mittlerweile die Strategie, dass ich diesen Wutausbruch entweder in ein Kissen schreie oder anfange zu weinen… das lässt diesen Energie-Ausbruch auch irgendwie abklingen, aber wo bleibt dann die Aufklärung, das “Darüber sprechen” oder muss das gar nicht sein? Ist das, was da in mir passiert völlig unabhängig von meinen Kindern und dem, was sie tun. Drücken sie vielmehr meinen inneren Zustand aus (bis das Fass überläuft)? Manchmal habe ich das Gefühl, dass es wirklich so ist… es ballt sich was zusammen, es explodiert, wie reagiere ich auf meine Umwelt?
Ich habe immer noch nicht herausgefunden, wie ich mich um mich selbst gut kümmern kann, wie soll ich mich dann um 2 kleine Kinder gut kümmern?… und dann kommt in allen Ratgebern “Du musst dich mehr um dich selbst kümmern”, Selbstliebe, mehr “Ich-Zeit”… grob gesagt, habe ich in mir immer zwei (oder sogar mehr?) Stimmen, die genau das Gegenteil wollen… ich will schlafen, ich will aufstehen, ich will die Spülmaschine ausräumen, ich will mich ausruhen, ich will dies, ich will das… und das führt automatisch zu Konflikten (in mir), ich bin fast immer nur am kämpfen mit dem, was eigentlich ist. An diesen Tagen will ich einfach nur in Ruhe mein Brot essen, ohne dass ich mich mit meinem Jungen auf den Boden setzen und lesen muss… aber ich tue es dann trotzdem, obwohl ich keine Lust dazu habe… es nervt mich, und ich empfinde Empörung meinen Kindern gegenüber, dass sie nicht verstehen, dass Mama auch mal ihre Ruhe braucht… tja, aber das funktioniert so nicht. Ich trage die Verantwortung. Für unsere Beziehung. Für meinen inneren Zustand. Punkt. Und nun? Manchmal will ich auch einfach nur Kind sein und rumschreien… und wahrscheinlich liegt da der Knackpunkt… das eigentliche Problem, die Mama-Sehnsucht aufzuarbeiten und zu durchleiden und dann wird sich vielleicht auch was im Umgang mit meinen Kindern ändern… ich muss es nur tun… und das tue ich nicht. Ich beiße mich am Widerstand fest und bewege mich nicht… ich kämpfe lieber (oft) als zu akzeptieren, mich hinzugeben (selten)… wie lange will ich eigentlich noch in diesem Teufelskreis bleiben, anstatt ENDLICH auszusteigen… wovor habe ich Angst? Oder bin ich einfach nur faul und bequem? Ist das ALTE (wenn auch beschissene) besser, als das NEUE?