“aber ich kann es nicht richtig machen” sagt sie und versucht, ihr weinendes Kleinkind einzufangen. “ich kann es nicht”.
Und das ist so gewollt.
Jajaja nun kommt sie wieder mit ihren Theorien um die Ecke?! Tut sie. Der Curse der systemischen Gewalttheoretikerin ist dass ich immer klinge wie eine Verschwörungstheoretikerin. Weil ich rede von Systemen. Aber im eigentlichen Sinne, als die verwobenen Gewebe in denen Gesellschaften funktionieren.
Systeme brauchen, dass sie gestützt werden durch Erzählungen, je ungerechter, desto mehr. Deswegen müssen gewisse orange Leute in den USA gerade rumlügen dass Migrant*innen ein Problem seien, weil warum sollte sonst jemand ihre absolute Herrschaft akzeptieren, die nur wenigen dient?!
Und das System Elternschaft ist eingebettet in zwei gewaltvolle Prinzipien von denen wenige profitieren: Das Patriarchat und kapitalistische Systeme.
Das Patriarchat und deine Scham
Wenn du deine Elternschaft aus der Linse “mach ich das gut und richtig und bin ich eine gute Mutter” anschaust, hast du schon verloren. Und ehrlich gesagt hat das dann nichts mit deinem Kind zu tun sondernd einem Ego. Dein Kind brauchte nie, dass du es 7 Jahre stillst und Wollhosen kaufst, dein Kind braucht seine Würde und deine Begleitung, auch wenn es nervt und anstrengend ist.
Die Idee dass deine Carearbeit besser ist wenn du leidest, der muss ich nochmal einen eigenen Artikel widmen – aber hier sei erstmal gesagt, das ist nicht wahr. Du bist ein schlechterer Elternteil wenn du leidest weil es dein Kind direkt betrifft, wie es dir geht. Und dich ständig zu hinterfragen ist eine Möglichkeit, grössere psychische Probleme zu garantieren. Also, lass das bleiben.
Wer allerdings profitiert davon, dass du deine Carearbeit nicht als gut genug ansiehst, ist das Patriarchat. Schliesslich müssten wir sonst darüber reden warum deine Selbstbewusstsein ausgelagert wurde auf unerreichbare Standards und dein Ego dran hängt wie geil du das machst anstatt dass du weisst, dass du wertvoll bist. Egal wie viel du stillst. Das Aushölen von Frauen* und deren Menschlichkeit, was ihr dann von aussen wieder zugesprochen werden muss, das ist Merkmal des Patriarchats.
Carearbeit ist das Fundament des Kapitalismus. Dass du diese Arbeit leistest und glaubst es sei Liebe und du einfach nur ein guter Mensch, ist der einzige Grund warum deine Ausbeutung funktioniert. Ohne dich und deine Arbeit könnten andere Mitglieder der Gesellschaft nicht Erwerbsarbeit nachgehen, sondern müssten auch wickeln, trösten, nachts nicht schlafen. Aber du tust das (UND gehst wahrscheinlich Erwerbsarbeit nach). Und ich sage nicht dass das nicht super ist und du dabei nicht glücklich sein kannst, ist sage, dass du eine wichtige Funktion erfüllst im kapitalistischen System WÄHREND du nach dessen Massstäben, nämlich Geld, ausgebeutet wirst.
In dem Moment in dem du verstehst dass deine Erschöpfung ein Teil des Designs ist und genau so funktionieren soll, ist es sehr hilfreich wenn du dich statt dessen schämst. Sei halt weniger erschöpft. Schau keine Nachrichten. Mehr Schaumbäder um zu vergessen, dass du in kapitalistischen Endzeiten versuchst kleine Kinder ohne Ressourcen gross zu ziehen.
Systemische Gewalt braucht immer einen, der*die glaubt dass sie sich halt nur mehr anstrengend muss. In unserem Fall dich.
Es geht nicht um die Einschlafbegleitung und ob das immer gut ist
Echte Veränderung beginnt nicht mit einem neuen Trick für die Einschlafbegleitung. Sie beginnt mit dem Mut, eine radikale Kehrtwende im Kopf zu vollziehen. Wir müssen den Schritt von der passiven Teilnehmerin zur aktiven Mitdenkerin machen. Das bedeutet, die soziologischen Grundlagen von Scham, Carearbeit und Patriarchat zu dekonstruieren.
Ab dem 26. April öffnet der neue Denkraum zum Thema „Scham, das Patriarchat und Carearbeit“. Um den politischen Anspruch zu untermauern, dass intellektuelle Weiterbildung kein Privileg der Wohlhabenden sein darf, gilt das Prinzip „Zahle, was du kannst“. Es ist eine Einladung, gemeinsam mit Ruth Abraham im Archiv zu graben und im Gerichtssaal die Mythen zu stürzen, die uns gefangen halten.
Zum Abschluss eine Frage zur Selbstreflexion: Welche patriarchalen Strukturen schützt du in deinem Alltag noch aktiv, indem du versuchst, die „perfekte“ Rolle innerhalb eines kaputten Systems auszufüllen?




