Ich hab momentan keinen Bock auf Schule. Also, ich. Meine Kinder, so lala.

Ich hass es. Aufstehen, Brote schmieren, rumdiskutieren, in letzter Sekunde noch Bücher finden und Zettel unterschreiben. Es ist hektisch und laut. Wir waren viele Jahre Freilerner*innen und ich schaffe es nicht, diese Freiheit nicht zu vermissen.

Es kotzt mich an. Und der Schritt, es meine Elternschaft versauen zu lassen, ist einfach: Meine Kinder sollen halt mitmachen. Ich bin doch alleinbegleitend. Warum können die nicht mal ihren Kram abends packen. Was ist denn los mit denen. Es ist so einfach, mich als Opfer zu inszenieren und diese kleinen, abhängigen Menschen als Problem zu sehen.

Und das passiert mir. Ich sage das. Manchmal. In dem Moment ist meine Elternschaft nur noch scheiße.

Aber, warum denn? Ich glaube, es ist tiefer als “einfach nur müde”.

Aber mein Kind soll sich einfach mal anziehen!!!

Beziehung zu Kindern hat eine systemische Besonderheit: Sie ist absolut einseitig, was Verantwortung angeht. Für die Beziehung zum Kind sind wir verantwortlich. Für ihr Leben auch. Fertig. Es ist eine absolute Verteilung.

Und das Ding ist, wenn es dir geht wie mir, weißt du nicht, wie man das mit Freude und Leichtigkeit und Würde trägt. Vielleicht, weil es dir nicht vorgelebt wurde. Oder weil du denkst, dass Elternschaft nur etwas wert ist, wenn du leidest. Wer bist du denn, die Aufgabe, die deine Mutter fast vernichtet hat, mit Leichtigkeit zu tragen?!

Das ist gar nicht so einfach, das auszuhalten, Gewebe aus Unsicherheit und altem Schmerz. Und klar, da ist es einfacher, darauf zu bestehen, dass das Kind sich halt anzieht. Nur einmal schimpfen. Einmal drohen. Einmal das Tablet wegnehmen.

Ich verstehe das und ich fühle die Verführung bis heute.

Was also tun?

Das Komische ist, dass du deine Elternschaft hasst, weil du deinen Gefühlen ausweichst. I know!!! Ich hab darauf auch keinen Bock. Aber das Problem ist, dass so Emotionen nicht funktionieren. Die einzige Art und Weise, mit ihnen umzugehen, ist, indem wir sie somatisch verarbeiten. Und jetzt gibt es lauter schlaue Leute, die dir da helfen können (in den Weggefährt*innen haben wir da einige eingeladen). Aber für unsere Zwecke musst du dir folgendes merken:

Deine nicht gefühlten Gefühle stauen sich auf.

Das bedeutet, der Stress, den du hast den ganzen Tag, der kommt nicht nur vom klingelnden Handy, dem weinenden Baby. Er kommt von den Tränen, die du bei deinem Kind begleitest. Von den vielen Malen, die du nicht wütend sein durftest.

Das macht es anstrengend. Vor allem, wenn diese Gefühle dann hochkommen und du dich fragst, warum du immer so wütend bist – ja, was denkst denn du?!

Deswegen rastest du gegenüber deinem Kind aus

Jetzt bist du da, mit deinen Gefühlen und dein Kind tut nicht, was es soll. Jetzt stehst du da und fragst dich, was das soll. Und wenn du nun deine Gefühle überspringst (dafür ist Erziehung perfekt geeignet, deswegen ist sie ja unter anderem so schädlich), dann wird es schwierig. Denn dann rastest du aus, ohne zu wissen warum. Und denkst dir es liegt an der Jacke oder was auch immer da los ist.

Das bedeutet auch, dass deine Beziehung zum Kind besser wird, wenn ihr mehr auf der Ebene der Gefühle arbeitet und weniger auf der Ebene der Lösungen. Denn auch wenn es nervt, auf Dauer ist es sooooo viel sicherer in Beziehungen zu sein, in denen jemand sein darf.

Du jagst nicht mehr einem Hirngespinst nach, sondern der Realität. Und da wird es richtig, richtig gut.

Kinderbegleitung ist keine Fantasiewelt

Dafür, dass mir ständig vorgeworfen wird, Leben ohne Erziehung sei komplett unmöglich und ich solle mal in der Realität bleiben, sind erzieherische Ansprüche ziemlich unlogisch: Ein Kind ist nicht automatisch deswegen super brav, weil du das nun willst. Es wird nicht ordentlicher, weil du es aufräumen lässt. Und wenn dir nur Erziehung und “das Kind soll halt mal” zur Verfügung steht, dann wird es auch für dich irrsinnig stressig: Weil, das Kind MACHT ja nicht. Ob du das willst oder nicht, ist egal. Es macht nicht.

Und das ist der zweite Stress: Du bleibst nicht in der Realität.

Elternschaft wird richtig scheiße, wenn du dir eine Idee aufbaust, in der dein Kind jetzt eigentlich etwas tun sollte – und dann mit der Realität leben musst, die halt nicht so schön gelungen ist. Ja. Das nervt.

Du musst also Abschied nehmen davon, wie es sein sollte. Und das kann anstrengend werden. Und DANN kannst du vielleicht die Elternschaft genießen, die du genießen willst.

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