Es war Jesper Juul, der behauptet hat, dass Erziehung mit 12 aufhöre. Und auch wenn ich nicht seiner Meinung bin, weil ich Erziehung NIE für richtig halte, hat er insofern Recht als dass sie einfach nicht mehr möglich ist.

Und das ist, wenn die Kinder Teenager werden.

Wie wir damit umgehen können? ich hab mal ein paar Gedanken gesammelt.

Warum Teenager so krass nerven

Ja klar, wir können nun über tausend verschiedene Dinge aus medizinischer Sicht schauen. Aber das ist an andere Stelle schon getan worden. Was ich anbieten kann, ist eine soziologische Sicht:

Dein Teenager nervt, weil du ihn oder sie kontrollieren willst. Und das geht nicht mehr. Die Basis der Kontrolle bricht dir weg. Was natürlich Mist ist, wenn die Grundlage deiner Beziehung zum Kind Kontrolle war. Und selbst WENN du dich bemüht hast um friedvolle Elternschaft – mir geht das so – kann es mega hart sein, Teenager zu sehen, die mit Liebe gross gezogen wurden wenn du das nicht kennst.

Es kann also sein, dass sie nerven weil du sie nicht kontrollieren kannst.

Oder, es kann sein dass sie nerven weil du nie nerven durfstest.

In beiden Fällen ist das dein Problem, mein Herz. Du darfst lernen, was es bedeutet und warum. Du darfst entscheiden, ob du dich damit befassen willst. Aber lass dein armes Kind in Ruhe. Das geht durch die Pubertät und das ist hart genug. Dein Kind nervt, weil du ein Problem hast. Was es nicht weniger nervig aber mehr deine Verantwortung macht.

Wie du ruhiger bleibst wenn dein Kind pubertiert

Okay, ja, toll, nun nervt aber das Kind doch. Und wie gehen wir damit um?

Erstens schlage ich dir vor dass wir die Emotionen, die deinem Stress zugrunde liegen, ernst nehmen und das bedeutet normalerweise, dass wir sie im Körper fühlen lernen müssen. Ja I know, es nervt mich ja auch, aber leider gibt es ziemlich klare wissenschaftliche Erkenntnisse dass dein “ich reiss mich zusammen” schädlich ist UND nicht funktioniert.

Wie du das am Besten tust? Hier ein paar Ideen aus der Community:

  • Boxen
  • Rennen
  • Laut Musik hören
  • Kaltes Wasser ins Gesicht
  • Stampfen
  • Summen

Und so weiter und so weiter – es gibt da feine Listen von schlaueren Menschen als mir, was du so testen kannst. Aber das Ding ist, du hast die Verantwortung für dein Verhalten. Du. Hast. Sie.

Fühlen kannst und sollst du übrigens gern alles, was du fühlst. Wir wollen nur, dass das Fühlen sich nicht in dein bisheriges Verhalten übersetzt (es sei dann, du findest das cool). Und das bringt mich zu einem anderen Punkt:

Vielleicht bist du neidisch auf den Teenager und deswegen ist bedürfnisorientierte Elternschaft schwer

Vielleicht bist du nicht beschützt worden, wie du deinen Teenager nun beschützt. Oder morgens geweckt oder liebevoll herausgefordert worden. Vielleicht geht es dir wie mir und niemand hat dir gezeigt, wie Dinge funktionieren und du wirst nun sauer dass dein Teenager deine Hilfe möchte. Vielleicht bist du vernachlässigt oder kontrolliert worden.

Egal was, es ist die Frage wert ob du dein Teenagerkind vielleicht auch deswegen so anstrengend findest, weil du es beneidest und du innerlich ständig gegen die Loyalität ankämpfst, die dein System gegenüber deinen Eltern aufgebaut hat. Das mag gut sein. Und dann müssen wir fragen, was du brauchst.

Jup. Beschämen bringt da nichts. Du bist in Not – und ey, du hättest eine liebevolle Begleitung verdient, natürlich tut das weh. Und ab hier brauchen wir Instrumente, wie wir dich begleiten und die Beziehung nicht verlieren können. Das Gute ist, dass Teenager warten können – und du kannst dir erstmal Zeit für dich nehmen. Zum Beispiel um dich zu fragen, was du gebraucht hättest und deinen Gefühlen absichtlich Raum zu geben. Mein Tipp: Meine Lieblingsteenagermusik und wildes Headbangen hat mir schon oft geholfen, meiner Wut und Traurigkeit Raum zu geben, ehe ich mich wieder mit dem Kind verbinden konnte!

Wieder verbinden (und wieder und wieder)

Die Wege, Teenagern zu begegnen und ihnen friedvoll die Hand zu reichen sind einfach nur ANDERS als wir sie mit kleinen Kindern kennen. Es geht viel um Timing, um Raum und darum, neue Kommunikation zu finden.

Wie immer in der friedvollen Elternschaft ist Perfektion dabei Mist und wir versuchen einfach unser Bestes. Und wie immer kannst du für dich und deine Familie anpassen, was zu euch passt und weglassen, was Mist ist.

Kommunikation mit Teenagern

Ja, es kann anstrengend sein, die engen Zeitfenster abzupassen und den schwankenden Gefühlen zu folgen. Aber gut, du willst Beziehung, du musst dich drauf einlassen. Hör auf dich zu beschweren dass das Kind dich altersgerecht verhält – und nimm deinen Wunsch nach Beziehung ernst!

Kommunikation kann versetzt und abgebrochen sein mit Teenagern und gleichzeitig ist sie unfassbar wichtig. Sprich deine*n Teenager*in aktiv an und versuche immer wieder die Hand auszustrecken. Indem du zum Beispiel ein lustiges GIF schickst oder mal fragst wie es so geht – und mit Schweigen, Brummeln oder langen Redeschwällen lebst, die dann zurück kommen. Du streckst die Hand aus. Das ist deine Verantwortung. Was dann passiert, kannst und darfst du nicht manipulieren, wenn dir Beziehung am Herzen liegt.

Gerade elektronische Kommunikation kann für die stark schwankenden Stimmungen und Bedürfnisse gut funktionieren – weil sie versetzt ist. Du kannst dort Dinge fragen und später eine Antwort bekommen, Dinge ansprechen die vielleicht direkt zum Streit führen würden und über Humor und mit unterschiedlichen Mitteln arbeiten, um klar zu machen: Ich interessiere mich. Ich bin da.

Hand reichen

Was mag dein Teenager gerade? K-Pop-Choreographien lernen? Nägel designen? Fantasy-Bücher? Mit Freund*innen ausgehen? Ja, I know, das kann ziemlich weird und nicht dein Ding sein aber über die Notwendigkeit, deinen Stolz an den Haken zu hängen haben wir schon gesprochen.

Finde etwas daran. Du musst nicht tun als wäre es geil, aber lass dich ein. Lass dir davon erzählen. Biete etwas an, von dem du denkst, es könnte deinem Kind gefallen und zum Interesse passen. Lass dich ein. Sich einlassen ist die Liebessprache, die du nun lernen darfst.

Konflikte mit Teenagern

Jup, auch Konflikte sind eine Möglichkeit sich zu verbinden. Gute Nachrichten, weil die ohnehin ziemlich oft vorkommen. Wie immer in der friedvollen Elternschaft ist die Frage nach der Qualität des Konfliktes wichtiger als das, was dabei rumkommt. Ob der Teenager aufgeräumt hat am Ende ist egal. Aber WIE ihr darüber gestritten habt, ist für eure Beziehung entscheiden.

Wollt ihr einander verstehen? Verharrst du auf deine Punkte oder interessiert dich dein Kind zumindest (du musst es nicht gut finden!)? Und wenn nein, wie kannst du den Konflikte würdevoller führen?

Denk dran: Jetzt ist die Zeit der Wahrheit gekommen. Aber eben auch eine Zeit in der du noch reparieren und korrigieren kannst. In dem du dich auf deine Intention konzentrierst und nicht das Verhalten, indem du deine Werte nach vorne stellst: Würde, Beziehung und Nähe.

Im Januar mache ich dazu übrigens einen Denkraum, einen Buchclub mit Vertiefung zum Thema “Gewaltfreie Elternschaft wirklich verstehen” – zahl was du willst.