Der grösste Fehler, den Eltern machen

Okt. 23, 2026 | Podcast | 0 Kommentare

Wie kann ich mein Verhalten ändern, ohne mich an einem fernen Ziel zu messen?

Kurz gesagt: Schau nicht auf den fernen Gipfel, sondern auf den nächsten kleinen, unperfekten Schritt. Halte dein Ziel locker wie einen Kompass, prüf, ob es überhaupt deins ist – und vergiss nicht, dass Beziehung von Reparatur lebt, nicht von Perfektion.

Du willst etwas verändern. Geduldiger sein. Im Konflikt mit deinem Kind sagen, was in dir los ist. Und dann stehst du da, richtest dein Fernglas auf einen weit entfernten Berggipfel und sagst: „Guck mal, wie weit weg das ist.“ Das ist ein ganz klassischer Fehler. Ich mache ihn selbst immer noch, andauernd – und die Eltern, mit denen ich arbeite, machen ihn auch.

In dieser Folge erzähle ich dir, wie ich mit fast 40 vor dem Fitnessstudio stand und mich nicht reingetraut habe, warum mir im Streit mit meinen Teenagern oft erst zwei Tage später auffällt, dass ich etwas blöd fand – und warum ein unerreichbares Ziel in Wahrheit ein ziemlich schlauer Ausstieg ist.

Hier gibt’s die Folge auf die Ohren:

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In 4 Schritten raus aus dem Fernglas-Modus

  1. Den Blick senken. Frag dich: Was ist der nächste Schritt? Er darf ganz unperfekt sein – einmal ins Studio rein und wieder raus. Oder zum Kind zurückgehen und sagen: „Mir fällt gerade auf, das fand ich eigentlich total blöd.“
  2. Das Ziel locker in der Hand halten. „Es wäre schön, wenn ich ein bisschen geduldiger wäre“ statt „Ab morgen bin ich immer geduldig“. Ein Kompass zeigt dir die Richtung – du willst nach Norden, aber nicht zum Nordpol.
  3. Gegenchecken: Ist das überhaupt mein Ziel? Manchmal jagen wir einem Ziel hinterher, das eigentlich die Schule oder „man“ hat – nicht wir.
  4. Im Jetzt landen. Das Leben findet nicht „eines Tages“ statt, wenn du es endlich kannst. Beziehung lebt von Intention, Miteinander und deiner Fähigkeit zu reparieren.

Aus der Folge: Transkript-Ausschnitt

Ich stehe da und richte mein Fernglas auf irgendeinen entfernten Berggipfel und sage: „Guck mal, wie weit weg das ist.“ […] Und das ist deswegen psychologisch relativ schlau, weil dann kannst du gut aufgeben. […] Wir bauen ein Luftschloss und sagen: „Guck mal, wie weit weg das ist. Das ist nicht erreichbar.“ Und dann können wir guten Gewissens zu dem zurückkehren, was wir jeden Tag machen, weil wir die Spannung zwischen dem, was wir real machen, und dem, was wir eigentlich für richtig halten, nicht mehr aushalten müssen.

Häufige Fragen

Warum ist ein großes Ziel bei Verhaltensänderung ein Problem?

Weil es meist nicht nur weit weg, sondern unrealistisch ist („immer geduldig“, „immer authentisch“). Je größer die Lücke zu dem, wo du gerade stehst, desto leichter wird Aufgeben – und desto mehr beschämst du dich selbst.

Was ist ein guter nächster Schritt im Konflikt mit meinem Kind?

Den Konflikt noch einmal aufmachen. Zurückgehen und sagen: „Mir fällt gerade auf, das fand ich blöd und ich habe es in dem Moment nicht gesagt.“ Oder, wenn du überreagiert hast: „Das war viel zu doll. Ich habe dir gar nicht zugehört. Erzählst du mir das noch einmal?“

Woran merke ich, ob ein Ziel wirklich meins ist?

Fang mit Beobachten an. Wenn du merkst, dass dir die Sache eigentlich egal ist und du sie nur verfolgst, weil die Schule, die Familie oder „man“ es erwartet, darfst du das Ziel loslassen.

Was, wenn ich einfach kein geduldiger Mensch bin?

Dann ist das so. Du musst nicht perfekt reagieren können. Beziehungsqualität entsteht aus Intention, Miteinander und deiner Fähigkeit zu reparieren – nicht daraus, dass du es immer richtig machst.

Zum Weiterhören und Weiterlesen

Und jetzt du: Auf welchen fernen Gipfel starrst du gerade – und was wäre dein nächster kleiner Schritt? Schreib es mir in die Kommentare.

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