Wie kann ich als Elternteil glücklich sein, wenn die Umstände so schwer sind?
Kurz gesagt: Glücklich Eltern sein ist kein Zustand, den du erreichst, wenn endlich alles passt. Es ist eine Übung. Und sie fängt damit an, dass du aufhörst, gegen dich selbst zu arbeiten: Leiden nicht mehr als Beweis guter Elternschaft zu sehen, deine Gefühle nicht mehr zu bekämpfen und das Verhalten deines Kindes nicht mehr persönlich zu nehmen.
Ich bin seit fast 18 Jahren Elternteil, seit sechs Jahren getrennt und seit zwei Jahren komplett allein mit meinen drei Kindern. Ich lebe im Ausland, habe keine Familie vor Ort und bin selbständig. Und trotzdem macht mich meine Elternschaft glücklich. Nicht, weil alles leicht ist. Sondern weil ich ein paar Dinge verstanden habe, die mir den Arsch gerettet haben.
In dieser Folge wird es persönlich. Ich erzähle dir, was meine Elternschaft so viel friedvoller und fröhlicher gemacht hat, und welche philosophischen und psychologischen Prinzipien dahinterstecken.
Hier gibt’s die Folge auf die Ohren:
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Die 7 Dinge, die meine Elternschaft glücklich machen
- Leiden zurückweisen und Freude üben. Uns wird erzählt, dass Fürsorgearbeit erst dann etwas wert ist, wenn sie uns erschöpft. Ich weise diese Erzählung zurück, auch wenn es mir immer noch schwerfällt. Freude zuzulassen ist für mich ganz praktisch: Musik hören, tanzen, lachen. Und die kleinen schönen Dinge bewusst wahrnehmen: die Katze, die sich abends auf meine Brust kuschelt, das Kind, das sich noch einmal an meine Schulter lehnt, den Geruch vom Essen. Unser Gehirn hat einen Negativ-Bias, aber wir können trainieren, das Schöne zu sehen, ohne die schweren Gefühle wegzudrücken.
- Gefühle sind wie das Wetter. Ich muss Regen nicht toll finden. Aber mit dem Wetter zu diskutieren, dass es anders sein sollte, bringt nichts. Genauso behandle ich heute meine Gefühle und die meiner Kinder. Die moralische Bewertung gehört zu meinen Entscheidungen und Handlungen, nicht zu meinen Gefühlen.
- Es macht keinen Sinn, also: Who cares? Wir sind alle nur ganz kurz auf diesem Planeten. Ob die Hausaufgaben gemacht sind oder die Klamotten meines Kindes ein bisschen weird aussehen, ist im Großen und Ganzen egal. Was zählt, ist, wie wir miteinander umgehen. Mein Ziel ist nicht mehr, dass mein Kind macht, was ich sage. Mein Ziel ist, unsere kurze Zeit mit den Werten zu füllen, die mir wichtig sind.
- Humor und Albernheit. Elternschaft ist absurd. Ich habe meinen Kindern oft gesagt, dass ich gern acht Tentakelarme hätte. Habe ich leider nicht. Mit Fantasie und Humor wird nicht nur der Alltag leichter, sondern auch der Umgang mit ungefragten Ratschlägen von außen.
- Kindliches Verhalten nicht persönlich nehmen. Wenn mein Kind ausrastet, ist das keine Aussage über mich als Mensch. Es geht nicht um mich. Meine Elternschaft ist nicht für mich, sie ist für mein Kind. Das heißt nicht, dass ich alles gut finden muss. Aber ich kann sagen: Das ist gerade Mist, was machen wir jetzt?
- Konflikte sind kein Weltuntergang. Gute Konflikte sind tausendmal wertvoller als die Abwesenheit von Konflikten. In Konflikten lernen wir uns kennen: Wo höre ich auf, wo fängst du an, was ist uns wichtig? Fehler machen, sich entschuldigen, reparieren: Das ist echte Beziehungszeit.
- Bedürfnisorientierung, auch für mich. Bedürfnisorientiert heißt nicht, dass ich mich aufgebe. Es heißt, dass meine Bedürfnisse genauso viel zählen wie die meiner Kinder, vielleicht sogar mehr, weil ihre Bedürfniserfüllung von mir abhängt. Am Ende geht es ums Einlassen: auf mich selbst, auf mein Kind, auf das, was gerade ist.
Aus der Folge: Transkript-Ausschnitt
„Jetzt behandle ich meine Gefühle und übrigens die Gefühle von meinen Kindern auch wie das Wetter. Ich muss das nicht toll finden. […] Ich kann das doof finden, aber was ich nicht mache, ist mit dem Wetter darüber zu diskutieren, dass es anders sein sollte.“
Häufige Fragen
Kann ich als alleinerziehendes Elternteil überhaupt glücklich sein?
Ja. Glücklich sein heißt nicht, dass die Umstände leicht sind. Es heißt, liebevoll mit dir selbst umzugehen und das zu gestalten, was du gestalten kannst. Die äußeren Umstände können trotzdem krass sein, und es ist wichtig, systemische Probleme nicht zu einer Frage des Mindsets zu machen.
Warum fühle ich mich schuldig, wenn ich mir eine Pause gönne?
Weil viele von uns, besonders weiblich sozialisierte Personen, gelernt haben, dass ihr Wert darin liegt, anderen zu dienen und dabei zu leiden. Diese Erzählung sorgt dafür, dass Care-Arbeit bis zur Erschöpfung gemacht wird. Du darfst sie zurückweisen.
Was mache ich, wenn mein Kind mich ablehnt oder beschimpft?
Nimm es nicht persönlich. Das Verhalten deines Kindes ist keine Aussage über dich als Elternteil. Kümmere dich um deine eigenen Gefühle, statt die Lösung auf dein Kind zu schieben, und frag dann: Was brauchen wir gerade?
Sind Konflikte schlecht für mein Kind?
Nein. Gute Konflikte sind ein Grundpfeiler gesunder Beziehungen. Dein Kind lernt darin, sich auszudrücken, Bedürfnisse zu benennen, Fehler zu machen und Beziehungen zu reparieren.
Zum Weiterhören und Weiterlesen
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- Passend dazu: Wenn du nach dieser Episode noch meckerst, blockier mich.
- Lesetipp aus der Folge: die Arbeiten von Silvia Federici zur feministischen Perspektive auf Care-Arbeit.
Und jetzt du: Was hilft dir, eine friedvolle, glückliche Elternschaft zu führen, trotz oder mit den Umständen? Schreib es mir in die Kommentare.

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