ACHTUNG!! Namensänderung. Aus Unerzogen Leben wird ab sofort Der Kompass. info@unerzogenleben.com

Der Wecker klingelt. Das Kind mault. Die Chefin wartet. Im Kindergarten haben schon alle angefangen, als du aufschlägst.

Auf dem Weg in die Arbeit/Uni/whatever könntest du in das Lenkrad (oder den Sitz vom Bus) beißen, so fertig bist du.

Ein normaler Morgen bei dir?!

Dann ist dieser Artikel für dich.

Es gab eine Zeit, da war mein Leben ungefähr so. Okay, in den Kindergarten gingen meine Kinder kaum. Aber diese Stimmen im Kopf, die mich gehetzt haben, die kenne ich so gut.

Die, die sagen: „Du musst aber noch“ und dann so endlos viel aufzählen, dass mir nach der Hälfte der Liste schon ganz schlecht geworden ist. Und den Anfang der Aufzählung hatte ich dann eh wieder vergessen.

Die, die mir erzählen, dass ich nur eine gute Mutter bin, wenn ich mehr leiste. Bessere Kuchen backe. Einen perfekteren Haushalt führe. Mehr arbeite. Mehr studiere.

Die, die mir das schlechte Gewissen einreden, dass die Vereinbarkeitsfalle zum Folterinstrument macht: Dass ich nicht genug bin. Nicht genug Mutter. Nicht genug Frau. Nicht genug Karrieristin. Nicht genug.

Ich zerrte meine Kinder von A nach B, zum Einkaufen hin, vom Einkaufen weg. Alles schnellschnell. Keine Zeit.

Wenn sie trödelten nahm ich sie und trug sie weg. Wenn sie schrieen, erpresste ich sie. Wenn sie müde wurden, schimpfte ich mit ihnen.

All das tat ich, weil ich dachte, dass ich das tun muss.

Ich war tief überzeugt, dass es meine Aufgabe sei, zu ‘managen’, Abläufe zu planen, zu organisieren.

Und ich verlor mich selbst dabei.

Ich wurde krank. Ständig. Ich war immer, immer müde. Ich verlor Freund_innen, weil ich nicht zuhören konnte und wollte. Ich redete nur über mich und sehnte mich überall nach Menschen, die mir die Last des nicht-perfekt-Seins abnehmen sollten.

Und ich verlor (beinahe) die Beziehung zu meinen Kindern dabei.

Ich erinnere, wie ich meinen Sohn mit zu einer Prüfung nahm und er im Auto bitterlich weinte, weil ich ihm sein Lieblingskissen nicht geben wollte. Es war zu Hause, wir hätte umkehren müssen.

Ich tat es nicht. Dabei hatte ich genug Zeit. Ich wollte es nicht, weil sein Kissen mir nicht wichtig war. Und als ich nach der Prüfung mit dem Kind, das mittlerweile schlief, wieder nach Hause fuhr, durchzuckte es mich: Ich hatte das Kissen nicht geholt, weil er mir nicht wichtig genug war.

Er. Mein Kind.

Er war mir nicht wichtig genug, um weniger zu arbeiten. Das war eine bittere Erkenntnis. Ich arbeitete, weil ich mich entschieden hatte dazu, nicht weil ich musste. Ich hetzte meine Kinder, weil ich mich entschieden hatte dazu, nicht weil ich musste.

Ich tat Dinge gegen meine Kinder, nicht für unsere Beziehung. Ich hetzte, schimpfte, motzte und war allgemein auch einfach nicht anwesend. Meine Prioritäten waren nicht im Jetzt. Nicht bei meinen Kindern und nicht bei mir. Ich lebte nicht, ich schwamm mit. Ich bekam mein Leben nicht zu fassen.

Also begann ich, aufzuhören.

Das fühlte sich zuerst sehr hart an und dann ganz leicht.

Zuerst wusste ich nicht, wie ich die Verantwortung übernehmen konnte – dann war es leicht und fühlte sich frei an.

Ich setzte an diesen Punkten an:

 

1. Muss ich das wirklich tun?

Ich holte die Verantwortung zu mir. Musste ich wirklich GENAU DIESEN Bus bekommen, um pünktlich zu sein? Musste ich wirklich das Kind zu einer bestimmten Zeit ins Bett zwingen? Oder gab es vielleicht Alternativen?

Wenn ich die Alternativen aufgespürt hatte, fragte ich mich, was genau denn nun dafür und dagegen sprechen könnte. Die empörte innere Stimme („aber man MUSS doch“) ließ ich beiseite. Die hatte genug Leid angerichtet.

Ich frage mich, warum ich eigentlich das so wollte, wie ich es wollte. Was meine eigentlichen Gründe waren.

Und landete damit bei Punkt 2:

 

2. Was brauche ich wirklich?

Eine lange Zeit meiner Entwicklung verbrachte ich an diesem Punkt. Wie bei vielen Menschen, die ich berate, hat Erziehung da auch bei mir ganze Arbeit geleistet: Ich wusste oft schlicht nicht, was ich brauchte oder wollte.

Ich wusste nur, was ich von meinen Kindern wollte. Und ich spürte, dass ich in Not war, wenn ich sie drängte, stresste, ignorierte – schlicht die Beziehungsebene vernachlässigte.

Warum das so war, verstand ich erst nach und nach: Ich selber war mir auch keine gute Partnerin. Ich vernachlässigte mich selber wie meine Kinder – ich brachte mich zum Funktionieren, aber ich spürte nicht in mich hinein: Was will ich eigentlich? Was ist mir wichtig?

Also hielt ich inne. Achtsamkeit war ein wesentliches Instrument dafür. Ich ‘bremste’ quasi immer, wenn ich bemerkte, dass meine Werte und mein Handeln auseinanderfielen.

Und dann leistete ich mir selber erste Hilfe. Schaute hin. Nahm mich in den Arm. Sorgte für mich.

Plötzlich war es nicht mehr wichtig, ob meine Kinder so angezogen waren wie ich es für richtig hielt. Oder ob sie mich mal ‘blöde Mama’ nannten. Es war okay. Ich war okay.

Mein Selbstbewusstsein erholte sich. Meine Kinder und ihr Verhalten waren nicht mehr Ursache, höchstens Wirkung meines eigenen Verhaltens.

 

3. Wie will ich leben?

Die zweite Frage führte zu der dritten: Was ist eigentlich wichtig für mich in meinem Leben? Will ich wirklich später sagen können „Hey, aber die Einkäufe habe ich immer rechtzeitig nach Hause gebracht?“ Wirklich?

Das glaube ich kaum.

Wenn ich auf dem Weg nach Hause meine Kinder von so vielen Blumen, die es zu entdecken gibt, so vielen Fragen, die es zu fragen gibt, abgehalten habe, dann ist das den Preis nicht wert.

Das wurde meine Leitfrage: „Ist es den Preis wert?“

Ich entdeckte, dass es das oft nicht war. Und wenn es das war, war ich leichten Herzens und gerne bereit, den Preis zu zahlen, anstatt mich mit Schuldgefühlen zu plagen.

Außerdem entdeckte ich, dass ich selber meine Werte in dieser Welt leben konnte, heute. Mit meinen Kindern. Ich hörte auf, zu erziehen und begann, mit ihnen zu leben. Etwas Besseres hätte mir nicht passieren können.

Ich gab, gab alles was ich hatte und mehr. Ich tröstete, ich schluckte Bemerkungen runter, ich zog Socken an kleine und auch größere Kinderfüße.

Und ich hatte nicht weniger. Ich hatte mehr.

Mehr Vertrauen. Mehr Selbstwirksamkeit in der Welt. Mehr Verantwortung für mein Leben. Mehr Freude.

 

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