ACHTUNG!! Namensänderung. Aus Unerzogen Leben wird ab sofort Der Kompass. info@derkompass.org

Mein Sohn und ich beim Mittagessen. Spaghetti. Stille.

Dann ich: ‘Du, was ich noch fragen wollte…’

Mein Sohn: ‘General Cryptor würde ich ja auch gerne kaufen.’

Ich: ‘Wegen morgen, da will ich nen Ausflug machen.’

Er: ‘Mama, kannst du mir mein Taschengeld früher geben, wegen General Cryptor? Wieviel kostet der?’

Ich: ‘Du, hör mir doch mal zu. Wegen morgen…’

Er: ‘Ich hol mal den Legokatalog. Dann gucken wir nach’.

Gelungene Familienkonferenz Ende.

Ich gebs zu, ich höre meinen Kindern öfter mal nicht gut zu. Das Doofe ist aber, dass die das dann auch nicht machen. Und das nervt mich.

Zuhören ist nämlich verdammt wichtig. Mir ist es wichtig, dass mir zugehört wird – und für meine Kinder ist es essentiell, damit sie über mich die Welt begreifen und meine Rückmeldung erhalten können und nicht zuletzt um Empathie zu erlernen.

Ernsthaftes Zuhören bedeutet, innerlich einen guten Schritt weg von mir und meinen Urteilen zu kommen. Eine Übung, die gerade für Eltern in Beziehung zu ihren Kindern so wichtig ist – immer wieder neu kennen lernen, wer mir da gegenübersitzt.

“Wenn du nichts bist, kannst du mir zuhören” (aus Israel)

Außerdem ist es ein ganz einfaches und sehr wirksames Mittel, um in Beziehung zu kommen, in Verbindung. Und unsere Liebe zeigen wir dabei auch.

Deswegen meine Challenge: Zuhören. Wirklich zuhören.

 

Was ist eigentlich Zuhören?

Bis vor einiger Zeit verstand ich unter Zuhören so etwas wie ‘registrieren’. Nicken, jaja murmeln.

Zuhören ist aber weit mehr als das. Es ist eine Kunst. Je mehr ich mich damit befasse, desto mehr bin ich fasziniert.

“Wer spricht, sät und wer zuhört, erntet.” (aus Argentinien)

Stellen wir uns eine Schale vor, die den Moment darstellt. Wenn wir ‘registrieren’, schmeißen wir die Worte unseres Gegenübers achtlos in diese Schale, in der schon einiges Gerümpel rumliegt: Unsere Gedanken an das Mittagessen, die Dinge, die wir nebenbei tun und das Magengrummeln – ja genau, Mittagessen. Was koch ich bloß?

Wirklich zuhören ist, diese Schale ganz zu leeren und nur das, was das Gegenüber spricht, hineinfließen zu lassen, Stück für Stück.

Dabei geht es nicht darum, dem Kind in allem Recht zu geben oder in Mitleid zu zerfließen. Es geht um Offenheit für die Wahrnehmung des anderen. Auch wenn die ganz anders ist als meine.

Wie macht man das jetzt, Zuhören?

 

1. Nicht unterbrechen

“Den meisten Menschen fällt es viel leichter, nicht zuzuhören, als nicht zu reden” (Ernst Ferstl)

Alle die, die mich kennen: Nicht lachen! Mir fällt dieser Punkt, zugegeben, sehr schwer.

Ich weiß ja nicht, ob du das kennst, aber mir geht es so, dass mir beim Zuhören lauter spannende Dinge zum Thema einfallen, die mir dann schneller über die Lippen purzeln als mein Gegenüber „Halt die Klappe!“ sagen kann.

Nur hat das mit Zuhören nix zu tun. Das ist per se stumm. Und gerade für Kinder ist das Unterbrechen gemein, weil es sie sofort aus ihrem Erzählfluss bringt. Meine Kinder finden nach meinem Gequassel nicht mehr zurück in das, was sie bewegt hat und was sie ausdrücken wollten. Schade.

Ich mache mir inzwischen manchmal innere (oder sogar äußere) Notizen, die ich dann anbringe, wenn es angebracht ist. Oder ich frage.

Alles eine Frage der Übung.

 

2. Nichts anderes tun

Kein Mittagessen vorbereiten. Oder eben den Geschirrspüler anstellen. Ach Mensch, hier liegen ja Krümel… Wo war nochmal der Lappen?

Just stop it. Der Krümel ist später noch da. Die Beziehung zum Kind kennt, wie alle Beziehungen, nur das Jetzt (grandiose Lektüre dazu: Jetzt! Die Kraft der Gegenwart).

 

3. Nachfragen, neugierig

Nix ist so kompliziert in der zwischenmenschlichen Beziehung wie Kommunikation. Nicht umsonst kann man das studieren. Hab ich gemacht. Ich kann also amtlich vermerken: Es ist verdammt kompliziert.

Nachfragen hilft. Nachfragen ist einfach gut. Sag, was du begriffen hast: ‘Du, ich hab das jetzt so verstanden, dass du ziemlich froh warst, dass der Lukas heute im Kindergarten war’ und frage, was du nicht verstanden hast: ‘War er denn krank oder was war mit ihm?’.

Du brauchst dich nicht verbiegen dafür. Sei einfach du. Du in Verbindung mit deinem geliebten Kind.

 

Wann brauche ich das Zuhören?

  • Wenn dein Kind dir nicht zuhört. Ohne Witz. Es ist inzwischen ne Binsenweisheit, aber Kinder spiegeln unser Verhalten. Sie machen, was wir machen.
  • Wenn es komische Verhaltensweisen zeigt. Dann brauchen wir besonders viel Beziehung. Und Zuhören ist ein guter Grundstein von Beziehung. Machmal verlieren wir einfach den Bezug zu unseren Kindern. Wissen nicht mehr, warum unser Kind so still ist momentan oder warum so wild.
  • Wenn du wenig Zeit hast für dein Kind. Die Beziehung zu dir ist seine intensivste und die, die es prägen wird – ein Leben lang. Die Tage unserer Kinder sind oft vollgestopft mit Aktivitäten, die ihnen die Beziehungszeit mit uns limitieren. Nutzen wir die Zeit, die wir mit ihnen haben.

 

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